![]() |
![]() |
|||||
|
Update: 09.02.2012
|
||||||
|
|
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
| Die "Trutzige Wart" Der Bismarckturm in Hof Bauplanung Am 28.04.1899 beschloss der Philisten-Verband in Hof, eine Bismarcksäule errichten zu lassen und bei der Bevölkerung das Interesse dafür zu wecken. Am 07. März 1900 wurde der "Verein zur Erbauung einer Bismarckgedenksäule in Hof e.V." unter Vorsitz des Königl. Hofrats Dr. med. Arnold Franck gegründet. Die dreizehn Gründungsmitglieder dieses Vereines stammten aus dem Bürgertum (Pfarrer, Apotheker, Rechtsanwalt, Hofrat u.a.). Die Stadt Hof unterstützte den Verein jährlich durch geringe finanzielle Zuwendungen. Bis 1905 war der Baufonds allerdings erst auf 1.500 Mark angewachsen. Nach einer Eingabe beim Stadtmagistrat zwecks weiterer Unterstützung sagte die Stadt 8.000 Mark für den geplanten Turmbau zu. Im Jahr 1908 wurde der Rheinhessische Bismarckverein um Spenden für den Turmbau ersucht. Bezüglich des Turmstandortes konnte man sich innerhalb des Vereins lange Zeit nicht auf einen geeigneten Platz einigen. Am 28. April 1910 wurde die Standortdiskussion durch eine Schenkung des Baugrundstückes „Auf dem Rosenbühl“ durch Brauereibesitzer Kommerzienrat Wilhelm Deininger und seiner Frau an den örtlichen Verschönerungsverein beendet. Bedingung dieser Schenkung war, auf dem Grundstück den Bau einer Bismarcksäule zu dulden und die notwendigen Anlagen dafür zu schaffen. Zuvor stand auf dem Bauplatz ein hölzerner Pavillon. Der Verschönerungsverein trat den Grundbesitz an die Stadt Hof ab und gestand dem Verein zur Erbauung einer Bismarckgedenksäule in Hof e.V. ein Erbbaurecht bis zum Zerfall des Turmes zu. Ursprünglich plante der Verein eine Bismarck-Feuersäule nach dem Entwurf von Wilhelm Kreis, kam aber von diesem Vorhaben ab. Im Jahr 1910 wurde daher ein eigener Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem nur in Hof geborene oder dort tätige Architekten teilnehmen durften. Insgesamt gingen zehn Entwürfe für die Bismarck-Gedenksäule ein. Am 11.12.1910 erklärte das Preisgericht, bestehend aus Prof. Dr. German Bestelmeyer (1874 1942) aus Dresden, Prof. Baurat Hans Gräßel (1860 1939) aus München und Bauamtmann Riemer, einstimmig den Entwurf „Trutzige Wart“ der Architekten Heinrich Stengel und Paul Hofer (Architektenbüro Stengel & Hofer, München) zum Sieger des Wettbewerbs. Der Verein entschied sich am 20.12.1910 für die Ausführung des Sieger-Entwurfes. Der Bau sollte mit einigen Abänderungen durchgeführt werden, die Baurat Hans Gräßel durchführen wollte. Im Jahr 1911 wurde ein „Kornblumentag“ zum Besten des Baufonds durchgeführt. Das Vereinsvermögen betrug zu dieser Zeit 35.000 Mark. Die geplante Errichtung eines Hochwasserreservoirs auf dem Rosenbühl brachte die Realisierung der Pläne für den Bau des Bismarckturmes zwischenzeitlich in Gefahr. Am 12.12.1913 erteilte das Bezirksamt die Genehmigung zum Bau des Bismarckturmes unter der Bedingung, dass bestimmte Vorgaben in Bezug auf das städtische Hochreservoir eingehalten werden mussten. Ende 1913 war der Baufonds auf 42.270 Mark angewachsen. Auf der Generalversammlung des Vereins am 05.03.1914 wurde der Standort Rosenbühl erneut diskutiert, da durch die Auflagen bezüglich des Wasserreservoirs viel höhere Kosten entstehen würden. Zu dieser Zeit flossen reichlich Spenden von der heimischen Industrie und von privaten Spendern, Anfang 1914 lagen die Spendensumme bei 53.000 Mark, Anfang April 1914 bereits bei 65.000 Mark. Hofrat Dr. Franck (zu dieser Zeit Ehrenvorsitzender des Vereins) sicherte für die Jahre 1914 und 1915 je 3.000 Mark an finanziellen Zuwendungen zu und stellte in Aussicht, für die gesamte Restsumme des Bauwerkes (der Kostenanschlag lag bei 84.000 Mark) aufzukommen. Aufgrund der nun gesicherten Finanzlage wurde beschlossen, am Grundstück Rosenbühl festzuhalten und mit dem Bau des Turmes kurzfristig zu beginnen. Am 19.05.1914 wurde der von Baurat Gräßel überarbeitete Entwurf (Änderungen insbesondere im Eingangsbereich auf der Ostseite) vom Verein für gut befunden, sodass die Ausführungsarbeiten ausgeschrieben werden konnten. Bauarbeiten Am 03. Juni 1914 begannen die Vorarbeiten zum Turmbau. Als Baumaterialien wurden Granitblöcke aus den Steinbrüchen des nahen Fichtelgebirges verwendet, die vom Granitwerk Bibersberg in Marktleuthen (Inhaber Paul Jakob) angeliefert worden waren. Die Erd- und Maurerarbeiten wurden von den Firmen Christian Schuster und J.M. Brecheis für 71.200 Mark durchgeführt. Die Leitung der Ausführungsarbeiten übernahm Stadtbaurat Albert Mollweide (1858 1929). Weitere beteiligte Firmen und Handwerker: Eisenbetonarbeiten (Treppenläufe und Stockwerksböden): Fa. Hauch & Co, Coburg Die Erdarbeiten begannen am 01.07.1914, bereits am 06.07.1914 wurde mit dem Bau der Fundament-Mauer begonnen. Während der Bauarbeiten, am 01.08.1914, trat das Deutsche Kaiserreich durch die Kriegserklärung an Russland in den 1. Weltkrieg ein. Die Bauarbeiten am Bismarckturm wurden dadurch nicht beeinträchtigt und fortgesetzt. Bereits am 06.08.1914 wurde der Bauplatz zwecks Aufbaus des Turmes eingerüstet. Bei der Grundsteinlegung am 27.09.1914 wurde im Rahmen einer schlichten Feier von Pfarrer Philipp Nürnberger (zu dieser Zeit Vorsitzender des Vereins) die Grundsteinurkunde verlesen, die dann im Grundbau eingemauert wurde. Der Turm war zu dieser Zeit etwa 5 m über die eigentlichen Grundmauern hinaus in die Höhe gewachsen. Anfang Dezember waren die Versetzarbeiten am Turm abgeschlossen und am 08.12.1914 konnte das Gerüst abgebaut werden. Im Winter 1914/1915 pausierten die Arbeiten, erst Anfang Mai 1915 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Der Terrassenbau wurde nun vorgenommen. Am 21.05.1915 begannen die Eisenbetonarbeiten an den Decken und Treppen, die von der Firma Hauch aus Coburg ausgeführt wurden. Trotz Fertigstellung des Turmes am 01. September 1915 erfolgte die Einweihung aufgrund der Kriegswirren erst sechs Jahre später. Turmbeschreibung Der 25 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit wurde aus wuchtigen Granitquadern errichtet. Das Bauwerk gliedert sich in drei Teile: Unterbau und Sockel mit Umgang Auf einem dreistufigen, quadratischen Unterbau (Seitenlänge unten: 21,50 m) wurde der eigentliche quadratische Sockel errichtet. Auf der Ostseite (Eingangsseite) führen 12 Steinstufen zum Eingangsbereich des Turmes. Links und rechtsseitig des Eingangsportals (Tür aus Holz mit Eisenbeschlag) sind jeweils drei quadratische Fenster eingelassen. Auf der Süd-, West- und Nordseite des Unterbaus befinden sich mittig jeweils drei vergitterte quadratische Fenster. Der Sockel ist durch leicht hervorkragende Granitsteine in 3,00 3,50 m Höhe optisch in zwei Teile gegliedert. Auf der Eingangsseite ist oberhalb der auskragenden Steine der Name "BISMARCK" angebracht. Durch die Eingangstür gelangt man in den Eingangsraum, von dem drei Türen abgehen. Im Westen befindet sich der Bismarck-Gedächtnisraum mit der Bismarck-Büste. Die Inschrift am Sockel lautet: Otto von Bismarck Die steinerne Büste trägt die Inschrift Kanzler des Vom Eingangsraum gelangt man linkerhand zum Aufgang. Die steinerne Treppe ist rechtsdrehend mit Steingeländer an der linken Seite. Nach 24 Stufen erreicht man eine Plattform mit Austritt durch eine Tür mit Rundbogen (Nordseite) zum Umgang mit Brüstung. Die Terrasse des Sockels (Umgang) hat eine Seitenlänge von 13,50 m. Turmschaft und 2. Aussichtsplattform Mittig der Terrassenanlage erhebt sich der achteckige Turm mit einem Durchmesser von 7,20 m. Eine von Norden nach Süden führende mittige Steintreppe mit beidseitigem Steingeländer führt von der Terrasse nach oben. Nach 70 Stufen (in 5 Absätzen) erreicht man die 2. Aussichtsplattform in 20 m Höhe. Auf allen vier Seiten befinden sich Türen mit Rundbögen (Rundbogenteil ist auf der Ost- und Westseite herausnehmbar). Die Türen führen auf trapezförmige Balkone auf allen vier Seiten. Von der 2. Aussichtsplattform führt eine Steintreppe mit 24 Stufen auf die oberste Plattform. Turmkopf und 3. Aussichtsplattform Der Turmkopf (Oberbau) ist dreifach gestuft. Der Ausgang zur obersten Plattform ist mit einer metallenen Luke verschließbar. Die quadratische Plattform hat eine Seitenlänge von 2,50 m. Auf dem Turmkopf wurde mittig ein rundes Feuerbecken angebracht. Die Gesamtstufenzahl (innen) vom Eingang bis zur obersten Plattform beträgt 118. Turmgeschichte Am 12.01.1921 ging der Bismarckturm in das Eigentum der Stadt Hof über, die ab sofort den Schutz und die Unterhaltung des Turmes und der Anlagen übernahm. Die Einweihung erfolgte erst am 13. Mai 1921. Um 17:00 Uhr versammelten sich zahlreiche Bürger auf dem Rosenbühl. Bei der Einweihungsfeier sprach Pfarrer P. Nürnberger die Weiherede. Anschließend erläuterte Baurat a.D. Mollweide die Baugeschichte des Turmes und deutete an, dass in der Gedächtnishalle im Innern des Turmes eine Bismarck-Büste aufgestellt werden sollte, sobald die finanziellen Mittel des Vereins dafür vorhanden waren. Im Jahr 1927 bewilligte die Stadt Hof 1.000 Mark Zuschuss für die Bismarck-Büste. Die Stadt Hof äußerte den Wunsch, dass das Bauwerk an vier Sonntagen im Jahr für alle Besucher kostenlos geöffnet werden sollte. Die Instandsetzung der Gedächtnishalle, insbesondere die Malerarbeiten, die Verdeckung der Lichtschächte mit Mattglas sowie die Aufstellung des Büsten-Sockels, kosteten 1.000 Mark. Am 14.10.1928 wurde die Bismarck-Büste aus Granit (Kosten: 3.000 Mark), gefertigt von Bildhauer Neuper aus Weißenstadt, feierlich enthüllt. Bei der Enthüllung der Büste sprach Kirchenrat Nürnberger als 1. Vorsitzender des „Bismarckturm-Verein Hof e.V.“ (der ursprüngliche Erbauungsverein hatte sich umbenannt) Dankesworte an den Stadtrat, die Industrie in Hof und die Vereinsmitglieder. Nach der Enthüllung der Büste wurden Kränze am Denkmal abgelegt. Der Bismarckturm wurde als Aussichtsturm bei guten Wetter an Sonntagen vormittags und nachmittags geöffnet, der Turmschlüssel konnte zudem an Werktagen bei den Vorstandsmitgliedern entliehen werden. Nach 1945 wurde das Bauwerk für Besucher gesperrt. Die Tür wurde in den Folgejahren mehrfach aufgebrochen und das Innere des Turmes verwüstet. Aus diesem Grund wurde die leicht beschädigte Bismarck-Büste im April 1949 im Schlosshof gelagert. Von 1951 bis 1954 betrieb der ehemalige Hausmeister Georg Dick einen Wirtschaftsbetrieb am Bismarckturm. Die Erlaubnis zur Bewirtschaftung für ein Pachtgeld von jährlich 50 Mark wurde am 14.05.1954 zurückgenommen, Im Jahr 1953 wurde die Büste wieder an ihren alten Ort im Gedächtniszimmer des Turmes angebracht. Das Feuerbecken auf der Turmspitze wurde Ende Juni 1964 entfernt. Auf der 2,50 m x 2,50 m großen 3. Aussichtsplattform wurde eine zweiteilige Orientierungstafel, gefertigt von Optikermeister Herbert Baderschneider aus Hof, wetterfest angebracht. Der Bismarckturm wurde nun mittwochs und sonntags zu bestimmten Zeiten für Besucher geöffnet, der Eintritt betrug 20 Pfennig für Erwachsene und 10 Pfennig für Kinder. Verbände und Schulklassen konnten das Bauwerk nach vorheriger Anmeldung zu anderen Zeiten besuchen. Turmwärter war zu dieser Zeit Erwin Petzold. Am 09.04.1965 wurde vom Stadtrat die Genehmigung erteilt, ein Münzfernrohr zu installieren. Im Jahr 1968 wurde ein Hochbehälter in den Turm eingebaut, der in Trockenperioden die Wasserversorgung in den hochgelegenen Stadtteilen an der Alten Bayreuther Straße in Zobelsreuth und in den Heimstätten sichern sollte. Zwischen Juni 1963 und Juli 1970 wurde das Bauwerk von knapp 34.500 Besuchern bestiegen. Im Herbst 1994 wurde der Turm für Besucher wegen Sanierungsbedarfs (Undichtigkeiten, Durchfeuchtung, Schäden am Stahlkorsett, Rostschäden, lockere Steine) gesperrt. 1995 erfolgte eine Generalsanierung des Turmes für insgesamt 530.000 Mark. Die Kreis- und Stadtsparkasse Hof beteiligte sich mit über 400.000 Mark aus der Sparkassen-Stiftung an den Sanierungskosten. Die offizielle Wiedereröffnung des Turmes erfolgte am 24.05.1996. Am 20.07.2004 schlug der Blitz in den Bismarckturm ein. Dadurch wurde die Bausubstanz beschädigt. Der Turm wurde deshalb wegen Reparaturarbeiten bis März 2005 geschlossen. Von April 2005 bis Oktober 2010 war das Bauwerk jährlich vom April bis Oktober geöffnet. Wegen Baufälligkeit wurde der Bismarckturm im Herbst 2010 geschlossen. Im Jahr 2011 war geplant, 130.000 EURO für die Sanierung zu verwenden, die Gelder wurden letztendlich nicht in die dringend notwendigen Arbeiten gesteckt. Ob und wann eine Sanierung stattfindet, steht noch nicht fest (Stand: Februar 2012). Öffnungszeiten (Turm ist auf unbestimmte Zeit für Besucher geschlossen) Links Bismarckturm Hof auf bayern-online.de Quellen - Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 204-205 Fotos - Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 1999)- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2008) - Ralph Männchen, Dresden (Februar 2010) |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||
![]() |
||||||