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Update: 30.04.2012
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| Bismarckturm mit Glasmosaik-Wappen Der Bismarckturm in Pritzwalk Bauplanung Am 27.05.1900 stellte der Kyritzer Kriegerverein „Kamerad“ auf dem Kriegertag in Freyenstein den Antrag, an einem Ort des preußischen Landkreises Ostprignitz eine Bismarcksäule zu errichten. Der Vorsitzende des Kriegervereins „Kamerad“ traf sich im Frühjahr 1901 mit dem Landrat des Landkreises Ostprignitz, um diesen Antrag zu erörtern. Am 16.06.1901 wurden alle Gemeinden, Güter und alteingesessene Familien der Ostprignitz, Beträge zu spenden und Findlinge bzw. Wappenschilde für den Turmbau zu stiften. Auf einem Kriegertag des Kreiskriegerverbandes der Ostprignitz am 08.06.1902 wurde auf Antrag des Kriegervereins „Kamerad“ beschlossen, den Bismarckturm auf dem Trappenberg im Südosten von Prignitz (86 m über NN) zu errichten. Der Kriegerverein „Kamerad“ sollte dazu alle notwendigen Vorarbeiten durchführen. Landesbauinspektor Friedensreich aus Neuruppin wurde beauftragt, einen geeigneten Turm-Entwurf zu fertigen. Am 03.09.1902 legte der Landesbauinspektor einen ersten Entwurf nebst Kostenanschlag vor. Es wurde beschlossen, bezüglich der weiteren Bauplanung ein Ehrenkomitee zu bilden. Nach Zustimmung des Pritzwalker Magistrats erfolgte im November 1902 durch den Kreiskriegerverband der Aufruf zur Errichtung eines Bismarckturmes. Vertreter des Kreiskriegervereins hatten nach Besichtigung den Bauplatz auf dem Trappenberg für gut befunden. Das 5,5 Morgen große Baugrundstück wurde von der Stadt Pritzwalk zur Verfügung gestellt. Der Kreiskriegerverband wurde im Grundbuch als Eigentümer der Parzellen 958 und 996 eingetragen. Zwischen der Stadt Pritzwalk und dem Kreiskriegerverband wurde ein Vertrag geschlossen, in dem sich die Stadt verpflichtete, das zur Verfügung gestellte Baugelände nicht wieder beanspruchen zu wollen, die gärtnerischen Anlagen anzulegen und zu pflegen und das Bauwerk, falls der Kreiskriegerverband nicht mehr existieren sollte, den Turm samt Gelände zur dauernden Unterhaltung und Pflege zu übernehmen. Im November 1902 waren dem Ehrenkomitee bereits 129 Personen beigetreten. Am 15.02.1903 legte Landesbauinspektor Friedenreich auf einer Versammlung drei Entwurfsskizzen vor. Bei einer Abstimmung wurde der dritte Entwurf, ein 15 m hoher viereckiger Aussichtsturm mit Feuerpfanne, der mit Wappen alteingesessener Familien und Städten des Ostprignitzkreises versehen sein sollte, ausgewählt. Noch im gleichen Monat erfolgte ein weiterer Aufruf zu Spenden. Am 09. und 10.08.1903 wurde zum Besten des Bismarckturmes ein Reiterfest durchgeführt. Im Herbst 1903 wurde von Landesbauinspektor der endgültige Entwurf präsentiert. Der Kostenanschlag betrug 12.000 Mark, sollte aber durch Einsparungen, insbesondere bei den Löhnen und beim Baumaterial, auf 10.000 Mark reduziert werden. Ein Bismarckturmfest zum Besten des Bismarckturmes fand am 17.01.1904 statt. An diesem Tag fand der Kriegertag statt, bei dem der endgültige Turm-Entwurf gezeigt wurde. Die vom Kreiskriegerverband beantragte polizeiliche Baugenehmigung wurde am 18.01.1904 erteilt. Die Bauausführungsarbeiten wurden am 23.02.1904 an Maurermeister Gustav Kohlmetz vergeben. Es wurden Sammelstellen zur Anlieferung von Findlingen in mehreren umliegenden Städten eingerichtet. Bis Anfang April wurden alle Baumaterialien zum Bauplatz geschafft. Am 10.04.1904 wurde die Grundsteinlegung im Rahmen eines feierlichen Festaktes durchgeführt. Die Kosten für den Bau des Bismarckturmes stiegen auf insgesamt 20.994 Mark, so dass die Baukosten noch viele Jahre nach der Einweihung des Turmes abbezahlt werden mussten. Die Kosten wurden insbesondere durch Spenden der umliegenden Gemeinden und von Krieger- und Kameradschaftsvereinen getragen. Bauarbeiten Als Baumaterial wurden für den Unterbau Findlinge der Umgebung, für den Turmschaft Backsteine im Klosterformat aus der Ziegelei bei Mechow verwendet. Als ausführender Maurermeister war Gustav Kohlmetz aus Pritzwalk tätig. Die Mosaiken wurden von der Manufaktur Pool & Wagner aus Berlin hergestellt. Mitte Oktober 1904 war das Kreuzgewölbe in der 2. Etage des Turmes fertig gestellt. Aufgrund anhaltenden Regens konnten die Gewölbekappen nicht ausreichend aushärten, sodass das Gewölbe nach Wegnahme des Lehrbogens einstürzte. Dabei wurden zwei Arbeiter schwer verletzt. Am 10.11.1904 wurde der fertig gestellte Rohbau baupolizeilich abgenommen. Turmbeschreibung (im Jahr 1905) Der 18,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit weist unten eine Breite von 4,20 m (ohne die Strebepfeiler) auf. Zum Eingangsbereich des Turmes auf der Nordwestseite führt eine mittige Steintreppenanlage mit 13 Stufen auf eine kleine Terrasse, die wie auch die Treppe mit Steinpollern versehen ist. Die Terrasse wird zwischen den Pollern mit Metallketten abgegrenzt. Das Bauwerk ist in drei Etagen gegliedert. Die mittlere Etage besteht aus einem spitzbogigen Raum, der Ruhmeshalle. Von hier aus gelangt man über eine linksdrehende Wendeltreppe zur zinnenbekrönten Aussichtsplattform. Der Sockel nebst Unterbau und Strebepfeilern (bis zu einer Höhe von 8 10 m) wurde aus Findlingen als Zyklopenmauerwerk errichtet. Auf 189 bossierten Findlingen auf allen Seiten des Bauwerkes sind die Namen der Spender eingemeißelt (u.a. Kriegervereine und umliegende Gemeinden). Der obere Bereich des Turmes ist aus roten Backsteinen im Klosterformat erbaut. In einer Nische über dem Eingang ist eine bronzene Bismarck-Büste, darüber ein farbiges Bismarck-Wappen (in blau mit goldenen Kleeblatt und Eichenblättern) angebracht. Unterhalb der Büste ist eine Inschrifttafel mit der Inschrift "WIR DEUTSCHEN FUERCHTEN GOTT/ zu lesen. Unter der Zinnenaussichtsplattform wurden 22 Glasmosaik-Wappen der Adelsfamilien, Stifte und umliegenden Städte der Prignitz angebracht. Es handelt sich um folgende Wappen: Vorderseite (Nordwestseite) 01 von Wartenberg Rechte Seite (Südwestseite) 06 Graf von Königsmarck Hintere Seite (Südostseite) 10 von Möllendorff Linke Seite (Nordostseite) An den Ecken Nach der Einweihung wurde auf der Plattform eine abgestufte sechseckige Feuerschale aus Schmiedeeisen (3,00 m x 2,00 m), gefertigt von der Firma D. Ewald in Pritzwalk, eingemauert. Als Brennmaterial wurden Scheitholz, Teer und Petroleum verwendet. Turmgeschichte Am 01.04.1905 wurden die Einweihungsfeierlichkeiten durch eine Zapfenstreich aller Pritzwalker Vereine eingeleitet. Am 02.04.1905 fand die feierliche Einweihung des Bismarckturmes bei regnerischen und stürmischen Wetter statt. An der Feier nahmen 2.185 Besucher (75 Vereine) teil. Die Weiherede hielt Rittmeister A. von Winterfeld-Neuendorf, die anschließende Ansprache Bürgermeister Emil Doerfel (1857-1929). Der Turm wurde vom Baumeister an den Vorsitzenden des Kreiskriegerverbandes, Oberarzt d.R. Dr. Wilhelm aus Kyritz übergeben. In den Abendstunden wurde das Feuer auf dem Turmkopf in einer provisorischen Feuerungsanlage erstmals entzündet. Aufgrund des stürmischen Wetter loderte das Turmfeuer bis zu 15 m hoch. Die Feuerschale wurde erst nach der Einweihung auf dem Turmkopf installiert. Aus Kostengründen wurde diese Art der Befeuerung vor 1907 eingestellt. Es wurde auch die sog. Fiedlersche Installation (siehe Bismarckwarte Berlin) ausprobiert, aber nicht genommen. Die Bauschuld war Anfang 1909 immer noch nicht vollständig abgetragen, sodass am 27./28.02.1909 sowie am 16.03.1909 Basare veranstaltet wurden, die einen Reinerlös von 3.185 Mark einbrachten. Dieser Betrag wurde als Beihilfe zur Begleichung der Rest-Bauschuld verwendet. In den folgenden Jahren wurde die Gartenanlage ausgebaut, eine Bewässerungsanlage mit Pumpe und Rohrleitungen wurden installiert. Die Pumpen wurden in einem massiven Pumpenhaus untergebracht, welches am 18.07.1912 fertig gestellt wurde. Die Bewässerungsanlage wurde in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1922/1923 abgebaut und verkauft. In den Folgejahren wurde die Gartenanlage mehrfach erneuert und der Bismarckturm saniert. Zwischen dem Kreiskriegerverband und der Stadt Pritzwalk kam es wegen Parzellenverkaufs der Stadt Pritzwalk zu einem Streit. Nach Einigung der beiden Parteien erhielt der Kreiskriegerverband das Wegerecht über den 8 m breiten Zugangsweg (heute: Goetheweg, außerhalb der Parzellen), die Stadt durfte ihre Parzellen auf dem Trappenberg inklusiv des dortigen Wegerechts veräußern. Damit erlosch auch das Wegerecht des Vereins auf den verkauften Parzellen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde zum Schutz des Bauwerkes ein Wetterschutz über der Feuerungsanlage angebracht. Eine offizielle Umbenennung des Turmes in der DDR-Zeit wurde nicht durchgeführt (Bauwerk wurde „Aussichtsturm“ genannt). Die ursprüngliche Inschrifttafel und die Bismarckbüste wurden vor 1991 entfernt. Der Sockel der Büste war noch vorhanden. Das Bauwerk selbst war besonders auf der Südwestseite sanierungsbedürftig (Wappen beschädigt, Zinnen abgebrochen, Feuerungsanlage war mit Eternit-Flachdach überdeckt). Der Turm wurde zwischen 1992 und 1994 durch den Architekten Günter Kalkofen und einheimische Firmen mit Fördergeldern (insgesamt 527.500 DM) saniert. Die beschädigten Mosaik-Wappen wurden vom Rostocker Kunstformer Erhard John vervollständigt. Die Schriftplatte mit dem Ausspruch Bismarcks auf der Vorderseite des Turmes wurde komplett ersetzt. Am 23.09.1994 wurde das Bauwerk als Bismarckturm, allerdings ohne Feuerschale, wiedereröffnet. Am 02.04.2005 wurde der Pritzwalker Bismarckturm 100 Jahre alt. Am 27.05.2005 fand am Turm nachträglich eine Jubiläumsveranstaltung statt (Festumzug, Rede des Bürgermeisters, Besichtigung und Platzkonzert). Öffnungszeiten Der Schlüssel für den Turm kann über die Stadtinformation Pritzwalk entliehen werden. Links Quellen Fotos Albrecht Behrends, Bochum (Juni 2009) |
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