Update: 13.08.2011

Im Krieg zerstört
Der Bismarckturm in Chemnitz

Der 1901 gegründete "Verein Bismarck-Tisch" in Chemnitz und der Bismarckverein (1902 gegründet) regten den Bau dieses Bismarckturmes am 01.11.1901 an. Unter Vorsitz des Kaiserlichen Bank-Direktors Ernst Robert Frenkel wurde ein Bismarckturm-Bauausschuss gebildet.

Als Standort des geplanten Turmes wählte man die Bornaer Höhe (Hochplateau nordwestlich von Chemnitz, 375 m über NN, heute: Röhrsdorfer Höhe vor Crimmitschauer Wald) aus.

Zur Erlangung eines geeigneten Entwurfes wurde ein Wettbewerb unter allen deutschen Architekten ausgeschrieben. Insgesamt gingen 212 Bauentwürfe ein. Aufgrund der hohen Kosten (im Wettbewerb war eine Maximalgrenze von 50.000 Mark vorgesehen) wurde der mit dem 1. Preis ausgezeichnete Entwurf des Architekten J. Borns aus Remscheid nicht zur Ausführung ausgewählt.

Entworfen wurde der Turm vom Architekten Walter Müller aus Reichenhain bei Chemnitz. Dieser übernahm auch die Bauleitung (erster Spatenstich 01.04.1905). Die Maurerarbeiten wurden von der Firma Gebrüder Uhlich aus Chemnitz ausgeführt.

Oberfinanzrat Ledig stellte für den Bau des Turmes das 6.000 m² große Grundstück auf der Röhrsdorfer Höhe (Bornaer Höhe) kostenlos zur Verfügung.

Der 32 m hohe Turm wurde aus graugrünem Chloritschiefer und Harthauer Granit gebaut. Am 24.05.1906 wurde das Bauwerk eingeweiht. Das geplante 8-teilige Feuerbecken (Befeuerung durch Feuerinstallationsanlage der Fa. Fiedler aus Berlin) wurde bis zum 18.12.1913 (Sitzung der Stadtverordneten) noch nicht auf dem Bismarckturm installiert. Es ist unwahrscheinlich, dass es jemals installiert wurde.

Auf dem Sockel in Höhe von 6 m befand sich die 1. Aussichtsterrasse, die über eine Innentreppe erreicht werden konnte. Von hier aus führte die Innentreppe zur Etage mit Aussichtsbalkonen (jeweils einer auf jeder Seite) in ca. 20 m Höhe. Ein weiterer Aufstieg bis zur obersten Aussichtsplattform (25 m) war möglich.


Zerstörung des Bismarckturmes

Unstrittig ist, dass der Bismarckturm am Ende des 2. Weltkrieges, ca. im April 1945, zerstört worden ist. Zur Art der Zerstörung gibt es verschiedene Versionen:

1. Die SS sprengte den Turm selbst, um ihn nicht dem anrückenden Corps der US-Armee zu überlassen.

2. Das Bauwerk wurde durch das Artilleriefeuer amerikanischer Truppen (XX. Corps der US-Armee) vernichtet.

3. Nach Angaben des letzten Wirtes des Bismarckturms wurde das Bauwerk vom Artilleriefeuer der Amerikaner beschossen und auch getroffen. Um den Amerikanern den Turm nicht zu überlassen, wurde er von den Deutschen gesprengt.

Die zweite Version wird von den Schilderungen des Chemnitzers Willfried Gerlach unterstützt (Juni 2011). Er gab an, dass er mit seinem Bruder (damals 12 und 10 Jahre alt) die Zerstörung des Turmes beobachtet habe. Am Tag der Zerstörung habe sich ein amerikanischer Panzer etwa 300 m unterhalb der gesprengten Autobahnbrücke auf der Leipziger Straße positioniert und habe ca. 10 Schüsse auf den Bismarckturm abgegeben. Nach jedem Schuss verstärkten sich die Beschädigungen, bis der Turm völlig zusammengebrochen sei. Nach Kriegesende lagen nur noch ein paar Steinreste am ehemaligen Standort, weitere Trümmer waren bereits entfernt worden.


Ehemaliger Standort (Beschreibung von Ingo Marquardt):

Die Bornaer Höhe wurde in Röhrsdörfer Höhe (vor Crimmitschauer Wald) umbenannt. Der Bismarckturm stand an der heutigen Friedrich-Schlöffel-Straße (früher: "Am Bismarckturm").
Der Turm wurde vollständig abgetragen, der Standort vor dem Wald ist heute eine Grünfläche.
Den ehemaligen Standort erreicht man über die B 195, bis die Friedrich-Schlöffel-Straße (Höhe Bushaltestelle Heidelberger Straße) abzweigt. Diese Straße bis zur einer Freifläche durchfahren, die von großen Steinen umsäumt ist.


Links

Historisches Chemnitz (mit detaillierten Angaben zur Zerstörung des Turmes)

Google Maps

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